Direkt zum Inhalt

Aktuelles

Wir konnten auch in diesem Jahr wichtige Fortschritte für den Schutz von Tigern und ihren Beutetieren in Thailands Upper Western Forest Complex erzielen. Langfristiges Monitoring, das wir seit 2012 durchführen zeigt, dass sich die Region langsam ökologisch stabilisiert. Mitverantwortlich dafür sind gezielte Maßnahmen wie die Auswilderung von Beutetieren und die Verbesserung des Lebensraumes.
 
Die wichtigsten Erkenntnisse unserer Untersuchung:

  • Die Tigerpopulation ist stabil. Über 11 Jahre hinweg konnten wir 33 erwachsene Tiger und 18 Jungtiere dokumentieren – eines der umfassendsten Tiger-Monitorings in Südostasien.

  • Die jährlichen Überlebensraten erwachsener weiblicher Tiger sind hoch (>82%) und vergleichbar mit gut geschützten, gesunden Tiger-Vorkommen in Indien und Nepal.

  • Tiger in Mae Wong und Khlong Lan vermehren sich, aber die Reproduktionsraten sind niedrig

  • Die Wilderei ist für die niedrigen Reproduktionsraten der Tiger nicht verantwortlich. Es fehlen große Beutetiere wie Sambar und Gaur, die kommerzieller Wilderei zum Opfer fielen und weiterhin nicht in ausreichender Dichte vorhanden sind.

  • Zu- und Abwanderung spielt eine große Rolle: Junge Tiger aus dem benachbarten Gebiet Huai Kha Khaeng wandern nach Mae Wong und Khlong Lan ein und stabilisieren die Population.

Als Fazit kann man zusammenfassen, dass hohe Überlebensraten erwachsener Tiger die Bestandsstabilität sichern, jedoch aufgrund mangelnder Beutetiere kein signifikantes Ansteigen der Tigerpopulation verzeichnet werden kann. Und genau hier müssen wir weiterhin handeln.

Sambar-Auswilderung: Stärkung der Beutebasis für Tiger

Tiger brauchen nicht nur ausreichend Beutetiere, sondern auch große Mahlzeiten. Von Beute, die unter 50 Kilogramm wiegt, können sie sich auf Dauer nicht ernähren, denn der energetische Aufwand der Jagd steht in keinem guten Verhältnis zur Nahrungsenergie, den solch kleinere Tiere den Raubkatzen bieten. Deshalb ist es wichtig, dass im Tigergebiet ausreichend große Beutetiere vorhanden sind. Damit wir wissen, wie sich ihre Bestände verändern, sind die Populationen von Wildschwein, Muntjak Hirsch, Sambar Hirsch und Gaur (ein großes Wildrind) Teil des Arten-Monitorings in unserem Projektgebiet. Die letzte Untersuchung mit 154 Kamerafallen zeigt eine deutliche Zunahme bei allen vier Haupt-Beutetierarten, die auf eine mögliche Erholung und verbesserte Beuteverfügbarkeit für Tiger hinweisen. Große Beutetierarten – vor allem Sambar-Hirsche – benötigen jedoch weiterhin unsere gezielte Unterstützung durch Wiederansiedelung, Habitatverbesserung und Schutz vor Wilderei.

Im Sommer 2021 fand in Zusammenarbeit mit dem thailändischen Department for National Parks erstmalig eine Auswilderung von 32 Sambar-Hirschen im Mae-Wong-Nationalpark statt. Zusammen mit den 35 Tieren, die in diesem Jahr ausgewildert wurden, wurden in den fünf Jahren seit Beginn der Auswilderungen insgesamt 149 Sambar-Hirsche in die Freiheit entlassen. Einige der ausgewilderten Weibchen haben bereits Nachwuchs bekommen – ein ermutigendes Indiz dafür, dass die in Gefangenschaft geborenen und aufgewachsenen Tiere sich gut an ihren neuen Lebensraum anpassen.

Trotzdem ist das Vorkommen der Sambar im Projektgebiet weiterhin zu niedrig, da den erfolgreichen Auswilderungen und ersten wild geborenen Hirschen nicht nur der Tiger als Beutegreifer gegenüber steht sondern auch Leoparde und Asiatische Windhunde. Die Auswilderungen bleiben daher weiterhin ein elementar wichtiger Baustein unseres Tigerschutzes. Nur dadurch können wir den Tigern langfristig ausreichend Beute sichern.

Ab dem kommenden Jahr ist ein deutlicher Anstieg der Anzahl auswilderbarer Sambar-Hirsche zu erwarten, da die bestehende, erfolgreiche Zusammenarbeit mit der thailändischen Nationalparkbehörde durch weitere Partner verstärkt werden konnte, so dass nun insgesamt neun Zuchteinrichtungen für Sambar-Hirsche das Programm unterstützen. Die Wiederansiedelung der tropischen Hirsche ist wahre Pionierarbeit. Daher sind die Erfahrungen, die seit 2021 gesammelt werden konnten, unverzichtbar für den langfristigen Erfolg. Und es bedarf weiterhin enger wissenschaftlicher Begleitung, um mehr Informationen über das Sozialverhalten der ausgewilderten Hirsche und ihre Überlebensrate zu sammeln.

Um Erkenntnisse für das künftige Auswilderungsprogramm zu gewinnen, sind einige Sambar mit Satellitensendern ausgestattet. Die Sensoren in den GPS-Halsbändern zeichnen die Bewegungen der Hirsche auf, welche von unserem Team in Thailand ausgewertet werden. So konnte beispielsweise festgestellt werden, dass die ausgewilderten Tiere schnell Verhaltensmuster annehmen, die denen ihrer wilden Verwandten ähneln.

Sambar-Hirsche in geschützten Gehegen bevor sie in die Nationalparks entlassen werden. (© alle Bilder DNP & WWF Thailand)

Verbesserung des Lebensraums durch Grasland und künstliche Salzleckstellen

Im dichten, tropischen Monsunwald öffnen sich immer wieder helle Inseln aus Gras. Auf den ersten Blick wirken diese Flächen unscheinbar – doch für viele wildlebende Huftiere sind sie Lebensadern. Hier finden Pflanzenfresser genau das, was ihnen der schattige Wald kaum bieten kann: nährstoffreiches, junges Grün in hoher Dichte und Verfügbarkeit. Nach den Monsunregen schießen Gräser und Kräuter förmlich aus dem Boden und verwandeln die Landschaft in ein üppiges Buffet. Ebenso sind Salzleckstellen für die Tiere wichtig. Hier holen sich Hirsche, Wildrinder, Elefanten und zahlreiche andere Arten jene Mineralstoffe, die sie in ihrer täglichen Nahrung kaum finden – vor allem Natrium, aber auch Kalzium, Magnesium und Spurenelemente.

Wo natürliche Offenflächen und Salzquellen fehlen, legen wir solche an. Unser Team hat im Mae Wong Nationalpark ein neues Graslandgebiet mit einer Fläche von etwa 6,7 Hektar erschlossen. Dieses neue Gebiet grenzt an ein zuvor renaturiertes Gebiet, bietet zusätzliche Nahrungsressourcen und unterstützt die Ausdehnung des Lebensraums für Wildtiere. Die Pflege von fünf Graslandflächen und einer sechsten künstlichen Salzleckstelle im Khlong Lan Nationalpark wurde fortgesetzt. Nur wenn invasive Pflanzen und Unkraut zurückgedrängt werden, kann das Wachstum der lokalen Gräser effektiver unterstützt werden.

Ranger Patrouillen

Insgesamt sind 31 Patrouillenteams in vier Schutzgebieten (die Nationalparks Mae Wong, Khlong Lan, Khlong Wang Chao und Umphang Wildlife Sanctuary) im Einsatz. Jährlich müssen dabei mindestens 70% der Gesamtfläche eines Schutzgebiets von den Rangern abgedeckt werden.
Wilderei stellt weiterhin die größte Bedrohung dar, die von den Patrouillenteams festgestellt wurde – sie macht 44% aller Vorfälle aus. Sie erfolgt durch Schlingen oder Schrotflinten und betrifft in erster Linie Wildtiere zum Fleischerwerb. Es folgen illegaler Holzeinschlag (18%), Weideviehvertrieb in Schutzgebiete (15%), Landrodung (9%), Sammeln nicht-hölzerner Waldprodukte (7%) sowie Fischerei (7%). Es wurde kein Fall von Tiger-Wilderei registriert.
Wir unterstützen diese dringend notwendigen Einsätze der Wildhüter mit Ausrüstung, technischer Unterstützung und durch regelmäßige Trainings, damit der Schutz der wertvollen Ökosysteme erfolgreich und nachhaltig fortgeführt werden kann.
Alle Rangerteams sind inzwischen vollständig mit SMART-Mobilgeräten (Spatial Monitoring and Reporting Tool) zur Erfassung von Patrouillendaten ausgestattet, sowie mit Powerbanks und weiterer wichtiger Feldausrüstung, darunter Hängematten, Regenschutzplanen, Rucksäcke, Schlafsäcke sowie PCs und Notebooks. Diese Ausstattung ermöglicht eine effizientere Datenerhebung und verbessert auch die Effektivität ihrer Einsätze im Gelände. 
 

Wildhüter im Feld (© DNP & WWF Thailand)

Auch dieses Jahr gab es dazu wieder Schulungen zur Nutzung der SMART-Mobilgeräte im Khlong Lan Nationalpark. 50 Ranger aus allen drei Parks nahmen daran teil. Diese Initiative entspricht unserem Ziel, die Patrouillenarbeit durch höhere Datenqualität zu stärken und schrittweise von papierbasierten Methoden wegzukommen. 
 

Wildhüter bei einer SMART-Schulung (© DNP & WWF Thailand)

Aufklärungsarbeit mit Studenten und Schülern

Wie auch in den vergangenen Jahren bildet die kontinuierliche Aufklärungsarbeit in Dörfern, Schulen und Universitäten einen wichtigen Teil unseres Tigerschutzprogramms. Nur mit der Unterstützung der Bevölkerung und vor allem der jungen Generationen ist nachhaltiger Tigerschutz möglich. Dieses Jahr nahmen 110 Studenten der Kasetsart University an Ausbildungskursen mit Rangern teil. 

Darüber hinaus wurden insgesamt 14 Veranstaltungen in Dörfern und an Schulen durchgeführt, bei denen 1240 Teilnehmern die Bedeutung des Tigerschutzes nähergebracht wurde. Unser Tiger-Programm hat in Zusammenarbeit mit der Anuban Khlong Lan Schule ein integriertes Lerncurriculum entwickelt und umgesetzt. Dieses Programm zielt darauf ab, Wissen, Verständnis und Bewusstsein über Tiger- und Wildtierschutz bei den Schülerinnen und Schülern zu fördern. Es setzt auf aktives Lernen und verbindet Lernen im Klassenzimmer mit Exkursionen in die Mae Wong und Khlong Lan Nationalparks, bei denen die Schüler den Wildhütern bei der Verbesserung des Lebensraumes der Wildtiere und beim Errichten von Salzleckstellen helfen. 

Sie lernen die Bedeutung des Tigers für ein gut funktionierendes Ökosystem, identifizieren Wildtierabdrücke und erkennen die eigene Rolle beim Schutz der Natur. Durch diese Aktivitäten entwickeln die Schülerinnen und Schüler wichtige Fähigkeiten und eine positive Einstellung gegenüber Natur- und Artenschutz. Es zielt zudem darauf ab, ein nachhaltiges Netzwerk junger Wildtier- und Tigerkonservatorinnen und -konservatoren in der Region aufzubauen.

 

Schüler lernen über Natur- und Artenschutz (© alle Bilder DNP & WWF Thailand)

 

„Thai Park Ranger: Die Wächter unserer Zukunft“

So lautete das Thema einer Fotoausstellung, die Ende Mai 2025 eine Woche lang in Bangkok zu sehen war. Sie zeigte den harten Arbeitsalltag der Ranger, die sich in den Schutzgebieten des westlichen Waldkomplexes unter widrigen Bedingungen unermüdlich für den Schutz des Tigers und des gesamten thailändischen Naturerbes einsetzen. Damit wollten wir der städtischen Bevölkerung nicht nur inspirierende und ermutigende Geschichten von dieser eher unbekannten Berufsgruppe erzählen, sondern auch deutlich machen, welch einzigartigen Schatz sie bewahren. Dazu erschienen ist auch ein Buch „Thai Park Rangers“ (erhältlich in Thailändisch und Englisch), das den bewundernswerten Einsatz der Wildhüter beschreibt.